Schwarz-Grün: Vorerst gescheitert – Tür geöffnet

Das war’s. Es gab zwei Sondierungsrunden, aber Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU wird es diesmal wohl nicht geben. Was bleibt? Eine bemerkenswerte Annäherung (Spiegel-Online), die Hoffnung, „dass die Tür jetzt offen ist und sie wird auch nicht mehr so ohne weiteres zugehen“ (Cem Özdemir, zitiert nach Reuters). Meiner Meinung nach ist klar, dass wir als Grüne uns jenseits der Lager verorten müssen – das heißt auch, offen zu sein für Bündnisse mit der Union.

Denn worum geht es uns? Darum, dass wir als Staat und als Gesellschaft nicht unsere Welt zerstören (Schlagwort: Endlich weg von Kohle und Atom!) und darum, dass Menschen menschenwürdig leben können (Schlagwort: Flüchtlinge! Minderheitenschutz!). Wir machen grüne Politik, weil wir davon überzeugt sind, dass sie dieses am ehesten bewerkstelligen kann. Allerdings: Wir können mehr bewirken, wenn wir regieren. Natürlich heißt das nicht, dass wir jeden Preis bezahlen (deshalb sind ja auch diese Sondierungen nicht in Koalitionsgespräche übergegangen), es heißt aber, dass wir offen sein sollten für Bündnisse mit allen anderen demokratischen Parteien – um der Sache willen und fernab von habituellen Problemen und persönlichen Animositäten.

Ich bin übrigens kein „Fan“ von Schwarz-Grün. Aber ich bin ein Fan davon, grüne Ideen anzupacken und umzusetzen und nicht vornehmlich für Aktenordner zu produzieren – weil ich ein Fan einer weltoffenen, ökologischen Gesellschaft und Politik bin und ein Fan davon, dass Menschen selbstbestimmt leben können (egal welcher Hautfarbe oder sexuellen Orientierung sie sind) und der Staat unterstützt, wo es notwendig ist (Subsidiarität ftw).

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass auch der „politische Gegner“ in der Regel (a) kein Idiot und (b) kein moralisch schlechter Mensch ist. Ergo: Wenn Menschen anderer politischer Couleur andere Ziele verfolgen oder versuchen, ähnliche Ziele auf anderen Wegen zu erreichen, dann muss uns der vernünftige rationale Dialog weiterführen, der auf gemeinsamen Werte basiert. Das ist nicht immer einfach, aber sicherlich der beste Weg, um unsere Ziele und Wege zu erklären und davon zu überzeugen, vielleicht auch sie zu korrigieren oder Kompromisse zu finden. Viele Werte teilen wir innerhalb der etablierten Parteien in Deutschland (man vergleiche nur mit Österreich oder den USA) – das ist eine große Chance.

Deshalb: Ja, Schwarz-Grün im Bund ist vorerst gescheitert. Aber es hat sich die Tür zu neuen Bündnissen und Allianzen geöffnet und das ist gut so.

Eine Antwort zu “Schwarz-Grün: Vorerst gescheitert – Tür geöffnet

  1. Ich kann den Hype um Schwarz-Grün auf Bundesebene, den einige entfachten, nicht nachvollziehen.
    Natürlich war es richtig, sich zu Sondierungsgesprächen mit der Union zu treffen.

    Aber ich sehe, vor allem mit der CSU, immer noch zu wenig Gemeinsamkeiten. Neben den von Dir angesprochenen Punkten gehören für mich dazu auch die Bürgerrechte. Mit Innenminister Friedrich, dem die jetzige Überwachung schon nicht genug ist, am Kabinettstisch?
    Nö.

    Die nun wahrscheinlicher gewordene Große Koalition ist sicher auch nicht das Gelbe vom Eis, aber für uns Grüne können die abermals vier Jahre in der Opposition die Chance sein, uns fern der FDP als linksliberale Partei mit den bekannten grünen Kernthemen zu positionieren.

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